Fernwärmetrasse

Die Moorburgtrasse

Trassenplanung für Altona und St.Pauli
in optimaler Qualität für die Detailrecherche
soll das im Bau befindliche Kohlekraftwerk in Moorburg an das Hamburger Fernwärmenetz in Altona Nord anschließen.
Sie wäre über 12 km lang und besteht im Kern aus 2 Rohren von jeweils 1,10 - 1,30m Außendurch-messer durch die 130° heißes Wasser gepumpt würde. Die Kosten für die Projektierung werden nach Vattenfalls Angaben mit 240 Mio. € veranschlagt. Die gesamte Bauzeit würde 4-5 Jahre dauern. Fernwärmeleitungen oder Trassen in vergleichbarer Größe sind in Europa bisher noch nicht realisiert worden.
Auch energiepolitisch hätte die Moorburgtrasse erhebliche Konsequenzen für die nächsten 50 Jahre. Vattenfall will die Trasse unbedingt bauen um das Kohlekraftwerk in Moorburg und die eigene Marktposition langfristig abzusichern.

Die geplante Baustelle hätte massive Auswirkungen in den betroffenen Stadtteilen

Es sollen insgesamt über 500 Bäume gefällt werden, davon ca. 200 alleine in Altona, wobei die reale Zahl noch erheblich steigen dürfte. Im Zuge der Megabaustelle werden nämlich viele dicht am Rande stehende Bäume jetzt offiziell „gerettet“, die aber später dann nach und nach ein-gehen würden. Im Hafengebiet soll für die Trassenführung neben hunderten von Baumfällungen ein Pionierwald gerodet und eine große Möwenbrutkolonie umgebuddelt werden
und St.Pauli wiederum soll von einem großen und riskanten Tunnel für die Leitungen untergraben werden.


2009 hergestelltes Teilstück der Trasse i
In Altona
würde die Trassenbaustelle auch nicht viel anders aussehen wie auf dem Foto.
Unmittelbar betroffen wären davon vor allem AnwohnerInnen in Sozialwohnungen, wie z.B. in der Düppelstraße und der Eckernförder Straße, aber auch der Bertha-von- Suttnerpark und die angrenzende Suttnerstraße.

Hier sollen den AnwohnerInnen die ohnehin wenigen Bäume und Parks weitgehend abgeholzt werden.

Ausschnitt Eckernförder Str./Baumfällungen gelb markiert

Die Zuwegungen zu den Wohnungen werden über einen langen Zeitraum stark eingeschränkt - und monatelang Baulärm unmittelbar vor der Tür.
Dabei ist der eigentliche Trassengraben 3,5- 5,0m tief und 7,0 - 12,0m breit.

Hinzu kommt der Umstand, dass für die Moorburgtrasse 100erte bestehende tlw. sehr große Siele, Strom- und sonstige Leitungen umverlegt werden müssten, sowie große Flächen für Baustellen-einrichtungen belegt werden. Das würde die Baustelle an vielen Stellen auf bis zu einer Breite von mehr als 100m ausdehnen.

Neben vielen Parks und Wohnstraßen würde die Trassenbaustelle auch über Verkehrsschlagadern, wie die Holstenstraße, Max-Brauer-Allee und die Kieler Strasse hinweg führen. Ein lang andauernder Verkehrskollaps, sowie der Wegfall vieler Parkplätze im ohnehin schon hoch verdichteten Stadtteil wären die Folge.

Einer der kritischsten Punkte in der Altonaer Trassenführung liegt sicherlich beim Schachtbau Holstenstraße / Ecke Louise – Schröder Strasse. Dieser liegt nur 20m von der Endoklinik entfernt.
Vattenfall plant dort einen 45m tiefen und 15m breiten Schacht – Bauzeit: 2-3 Jahre. Die geplante Schlitzwand - Bauweise ist im Stadtraum normalerweise gar nicht im Einsatz, sondern kommt eigentlich aus dem Braunkohletagebau. Hier soll dann....


der Tunnel unter St.Pauli enden

und die Leitungen würden dort wieder an die Oberfläche geführt werden. Der Tunnel selber unterquert St.Pauli und die Norderelbe und führt bis zum Werftgelände von Blohm & Voss. Er hat 4,2m Durchmesser und wäre 1,2km lang. Das Ganze dann in 35-40m Tiefe.

Vattenfalls Ingenieure gehen von einer „möglichen Setzungs-mulde“ aus. Dort kann es also zu unkontrollierten Versackungen kommen.

Dieser gefährdete Streifen durch den Stadtteil wäre immerhin 108m breit und ca. 140 Häuser betroffen. Dort will Vattenfall nun alle Fundamente untersuchen sowie während der Bauzeit weiter beobachten. Gleichzeitig behauptet Vattenfall öffentlich, ihr Tunnelbau sei „zu 100%“ sicher....

Tunneltrasse und mögliche Setzungsmulde

Stand der Genehmigung

Vor allem durch die Baumbesetzungen im Gählerpark kam das Ganze dann Anfang 2010 groß in die Öffentlichkeit und vielfältiger Widerstand formierte sich.
Parallel hatte unsere Initiative zusammen mit dem Naturschutzverband BUND Klage gegen die schon erteilte „vereinfachte Genehmigung“ eingereicht und dann auch vorm Oberlandesgericht schließlich Recht bekommen.
Nun musste Vattenfall den Weg des sog. Planfeststellungsverfahrens beschreiten. Dieses Verfahren sieht zumindest eine Pro -Forma –Bürgerbeteiligung vor. Im März 2011 hat Vattenfall dann die die Pläne leicht modifiziert eingereicht und erneut die Genehmigung beantragt.
Dagegen wurden jetzt immerhin 4.250 Einwendungen von zumeist AnwohnerInnen eingereicht, was ein deutliches politisches Zeichen ist.
Als nächster Schritt ist dann im Herbst ein sog. Erörterungstermin vorgesehen.

Mit einer Genehmigung ist dennoch schon Anfang 2012 zu rechnen.
Bei Einhaltung der Baumschonzeit müsste Vattenfall bis Mitte März die Baumfällungen erledigt haben um dann richtig loslegen zu können.

Klima Vattenfall & Politik Alternativen

Fernwärme aus Kohlekraftwerken ist nicht etwa umwelt-schonende Abwärme. Sie wird vielmehr in einem eigenständigen Prozess im Kraftwerk produziert, der extra Kohle verbrennt und viele Mio. Tonnen des Treibhausgases C02 emittiert.

 Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg bringt keine Vorteile für Hamburg, sondern nur welche für Vattenfall. Allein die Summe aus Gewinn und Gutschriften für CO2- Zertifikate liegt bei 60-80 Mio. € im Jahr - Tendenz steigend. Hamburg hingegen könnte die eigenen Klima-schutzziele dann gar nicht mehr erreichen



Mit der Moorburgtrasse will Vattenfall auch sein Monopol für den Fernwärmemarkt, sowie den Status „Hamburger Stadtwerk“ langfristig sichern.
Vattenfall wünscht sich eine Legitimation des ungeliebten Klimakillers Moorburg durch die Fernwärme. Bei einer realisierten Belieferung von 180.000 Wohnungen könnte ja auch tatsächlich dann nicht mehr abgeschaltet werden.

Dabei gäbe es sinnvolle, sowie greifbare Alternativen.
Etwa mit einem neuen hocheffizienten Gas und Dampf (GuD)-Kraftwerk am Standort Wedel. Das emittiert sehr viel weniger CO2, könnte ohne einen Trassenneubau umgesetzt und sogar schneller fertig werden.
Gleichzeitig könnte und müsste gerade auch im Wärmebereich ein konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien erfolgen.
Hinzu kommt ein riesiges Einsparpotenzial durch Gebäudedämmung und modernisierte Netze.
Das Volksbegehren „unser Hamburg – unser Netz“ hat sich aktuell erfolgreich mit über 116.000 Unterschriften durchgesetzt. Verbindliches Ziel dabei: die Verträge mit Vattenfall (Strom und Wärme) sowie e-on (Gas) 2014 zu kündigen. Dann sollen die Netze rekommunalisiert, sozial gerecht ausgerichtet und konsequent auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Die Moorburgtrasse hätte weitreichende negative Auswirkungen auf den Stadtteil, sowie unverantwortliche Konsequenzen für die Hamburger Fernwärme und das Klima. Sie würde auch ein fatales Signal setzen: Statt weg von den Energiekonzernen ein „weiter so“ – zentral, statt dezentral und Profitorientierung statt gesellschaftlicher Daseinsvorsorge.

Stand Juli 2011